Auswirkungen auf Bürger, Wirtschaft und öffentliche Hand

Referent: Thorsten Grädler

Hof.- Wenn Thorsten Grädler, 2. Bürgermeister der Stadt Vilseck und Kreisrat der Freien Wähler im Landkreis Amberg-Sulzbach, von Zeit für Veränderungen  spricht, dann meint er damit die Konsequenzen der aktuellen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und ihre Auswirkungen auf uns alle: Bürger, Wirtschaft und gerade auch die öffentliche Hand. Wenig verwunderlich, dass die Besucher seines Vortrages auf Einladung des Bundestagskandidaten der FREIEN WÄHLER für den Wahlkreis 239 Hof/Wunsiedel Hans Martin Grötsch, ihm auch nach gut eineinhalb Stunden noch an den Lippen hingen. Ob es jedem so bewusst war, dass es aktuell gut 20 mal so lange dauert sein Erspartes zu verdoppeln als noch zu den Anfängen der Währungsunion oder,  dass der größte Profiteur der niedrigen Zinsen die öffentlichen Hand ist?

Thorsten Grädler ist seit gut 30 Jahren "Banker mit Leib und Seele" und selbstbekennender "konservativer Sparer". Vielleicht waren dies die zwei Aussagen des Vilsecker Freie Wähler Kreisrates die ihn so glaubhaft machten, wohl aber auch seine umfangreichen Kenntnisse und  die Tatsache, dass jeder Besucher  einen bis viele Tipps  für sein hart Erspartes mit nach Hause nahm.  Dabei immer im Blick die Möglichkeiten der Auswirkung durch Entscheidungen innerhalb der EU aber auch global.

Sein Blick auf den Weg Europas zur Währungsunion mit der letzten Stufe der Einführung des Euro zum Jahresbeginn 2002 belegte klar, dass damaligen Thesen mit einer Zinsannäherung  in Europa in keinster Weise eingetroffen sind, sondern sich auf dem niedrigen deutschen Niveau eingependelt haben.  Das gegenseitige Wettrüsten  vor allem mit Ängsten zwischen USA und UDSSR  führte zum wirtschaftlichen Verfall des ehemaligen Großreiches  Sowjetunion und habe die Staatslagen in höchstem Maße beeinflusst. So habe neben Griechenland Japan  noch heute die höchste Staatsverschuldung. Alle Japaner, so Grädler, müssten gut zweieinhalb Jahre arbeiten nur um die Schulden des Landes abzubauen. Die Verträge von Maastricht seien ständig ignoriert worden und heute könne, ja müsse man das Fazit ziehen, dass von den ständig gefallenen Zinsen die öffentliche Hand am stärksten profitiere. Wer spart würde mit Negativzinsen bestraft. Die Europäische Zentralbank tut alles um die Wirtschaft, vor allem in den Südländern in Schwung zu bringen. Dass Deutschland heute die "Lokomotive in Sachen Aufschwung in Europa" ist, sei auch ein Verdienst der Agenda 2010. Aktuell liege die Inflation bei 2,2%  und führe damit sogar zu einer negativen Realrendite und damit auch zu dauerhaftem Kaufkraftverlust.  Als "Treiber der Inflation" entlarvte Thorsten Grädler die mittlerweile verdoppelten Öl- und Energiepreise wie auch die Lebensmittelpreise.

Zins definiert der FW-Kreisrat als den" Preis für ein Gut, bestimmt durch Angebot und Nachfrage". Mit 154,8 Billionen Euro sei so viel Geld auf der Welt wie noch nie. Diese Summe sei exakt dreimal so hoch wie die Staatsverschuldung aller Länder. Auch wenn die Deutschen aktuell so viel Geld auf die hohe Kanten gelegt hätten wie noch nie, sieht der Finanzexperte vor allen in den bevorstehenden Wahlen Europas eine Gefahr. Ein Wahlsieg von Marie le Pen in Frankreich könnte mit Frankreich als zweitgrößter Volkswirtschaft Europas zu einem Zerfall der EU führen. "Man kann über die EU sagen was man will, wir verdanken ihr über 70 Jahre Frieden", so Grädler.

Dem Kreisrat war es auch wichtig, dass die Zuhörer aus seinem Vortrag etwas "wichtiges Mitnehmen für das hart Ersparte" und riet zu einer Zeit der Veränderung. Wenn bei steigender Inflation Inflation nichts mehr übrig bleibe, dann sei das eine kalte Enteignung auf Raten. Wie könne man für das Alter oder für seine Kinder sparen, wenn man keine Zinsen mehr bekommt? Grädler rät hier zu "anderem sparen" und stellte sein Fünf-Säulen-Modell des Finanzhauses vor. Neben einer Lanze für die Substanzwerte  outete er sich als "überzeugter Aktienanleger". Eine Aktie sei keine Spekulation sondern eine Investition in gute Unternehmen, die langfristig anzudenken ist. Durch den Anstieg des DAX würden Aktien zwar immer Schwankungen unterliegen, aber nach jedem Abschwung komme ein Aufschwung.