Presseanfrage an die bayerischen Landtagskandidaten: Handwerksordnung und Meisterpflicht

Folgende Fragen habe ich von friseur-intern erhalten:
Das ausführliche Anschreiben ist unten im Artikel zu finden.

Foto: Vielen Dank an Susanne Straub zur Fotofreigabe - http://www.susanne-haarscharf.de

+Wie beurteilen Sie es, dass nur noch 78,17 Prozent der bayerischen Friseurbetriebe von Meistern geführt werden?

Der Rückgang ist eine direkte Folge der HWO-Novelle, auch ich stehe eher kritisch dem gegenüber, dass man die Rahmenbedingungen soweit aufgeweicht hat, dass man über Berufsjahre das Friseurhandwerk selbständig ausüben darf. Auch die Zunahme der umsatzsteuerfreien Einzelbetriebe können nicht die Lösung sein, da hier weder Arbeitsplätze, noch Ausbildungsplätze geschaffen werden. Der gesetzliche Rahmen muss meines Erachtens wieder so weit angepasst werden, dass nur im Ausnahmefall ohne Meisterbrief ein Salon eröffnet werden darf, denn eine Saloneröffnung mit Meisterbrief steht auch in der Regel für Qualität und Arbeitsplätze.

+ Wie muss nach Ihrer Ansicht der Gesetzgeber auf diese Entwicklung reagieren?

Wie bereits oben beschrieben, sollten die aufgeweichten Regelungen wieder verschärft werden und, was meines Erachtens noch wichtiger ist, sollte Grundsätzlich die Bereitschaft, einen Meisterbrief im Handwerk abzulegen, wesentlich besser finanziell unterstützt werden von staatlicher Seite. Der Anreiz muss in Zeiten des Fachkräftemangels wesentlich höher vergütet werden, also eine Anpassung des Meister-BaFöG.

+ Für wie erfolgsversprechend halten Sie eine Bundesratsinitiative Bayerns für eine Änderung der HWO?

Das ist eher dem Wahlkampf der CSU geschuldet! Grundsätzlich befürworte ich eine Umkehr, da man nun in vielen wichtigen Handwerksberufen sogar ohne Ausbildung ein Gewerbe anmelden kann und trotzdem viele handwerkliche Berufe ausführt. Hier z. B. die vielen Gewerbeanmeldungen als Hausmeisterservice. Das drückt auch insgesamt das Lohnniveau nach unten und gelernte Handwerksgesellen und -meister müssen oft ihre Preise nach unten anpassen.

 

 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

erlauben Sie uns zunächst, dass wir uns kurz vorstellen: friseur-intern ist der einzige wöchentlich erscheinende Informationsdienst für die Friseurbranche. Unsere Abonnenten sind selbständige Friseurmeister, Inhaber bzw. leitende Mitarbeiter von Haarkosmetik- bzw. Friseurbedarfsunternehmen, Vertreter von Kammern und Innungen sowie Wirtschafts- und Mittelstandspolitiker verschiedener Parteien.

Mit dieser Presseanfrage wenden wir uns an die Kandidaten für die bayerische Landtagswahl. Zum Hintergrund:
Wir beobachten mit Sorge, dass seit der Novellierung der Handwerksordnung (HWO) im Jahr 2004 die Zahl der Friseurbetriebe erheblich zugenommen hat. Es werden dabei immer weniger Betriebe, die von Meistern geführt werden. Von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern haben wir hierzu folgende Zahlen erhalten:

+ 14.697 Friseurbetriebe sind in Bayern in die Handwerksrolle eingetragen
+ 11.489 Friseurbetriebe werden von Inhabern bzw. Betriebsleitern mit Meisterbrief geführt
+ 2.153 werden von Inhabern oder Betriebsleitern geführt, die über eine Ausnahmebewilligung oder Ausübungsberechtigung nach §§ 7b, 8 oder 9 HWO verfügen
+ Von 1990 bis 2003 wurden in Bayern 9.944 Betriebe im Friseurhandwerk eingetragen
+ Von 2004 bis 2017 wurden in Bayern 13.451 Betriebe im Friseurhandwerk neu eingetragen

Das bedeutet: Nur noch 78,17 Prozent der bayerischen Friseursalons werden von Meistern geführt. In den 13 Jahren seit der HWO-Novelle von 2004 wurden 3.507 mehr Friseurbetriebe in die Handwerksrollen eingetragen als in den 13 Jahren von 1990 bis 2003. Diese Zunahme an Salons korrespondiert mit der Aufweichung der Meisterpflicht durch die HWO-Novelle. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Friseurbetrieben, die unter der Umsatzsteuerfreigrenze von 17.500 Euro "wirtschaften", könnte man schließen, dass die HWO-Novelle ein Förderprogramm für Mikro-Friseurbetriebe ist, die keine Angestellten haben, nicht ausbilden und damit jenen Salons schaden, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, indem sie Angestellte haben und ausbilden. 
In diesem Zusammenhang haben wir folgende Fragen an Sie:

+Wie beurteilen Sie es, dass nur noch 78,17 Prozent der bayerischen Friseurbetriebe von Meistern geführt werden?
+ Wie muss nach Ihrer Ansicht der Gesetzgeber auf diese Entwicklung reagieren?
+ Für wie erfolgsversprechend halten Sie eine Bundesratsinitiative Bayerns für eine Änderung der HWO?

Gerne gehen wir in unserer Berichterstattung auf Ihre Antworten ein. Als Redaktionsschluss haben wir uns Donnerstag, den 04. Oktober 2018 vorgemerkt.

PS: Kurze und prägnante Aussagen sind uns lieber, als lange und ausufernde Sätze im berühmt-berüchtigten "Politik-Sprech"!!! 

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Mit freundlichen Grüßen Martin Strauch - Redakteur - friseur-intern Wilhelmstr. 14 45219 Essen"